Freiheit von Verantwortung?
32,8 Prozent für die AfD in Thüringen: Während Patrick aus dem Urlaub zurückkehrt, brennt Deutschland. Die rechtsextreme Partei wird stärkste Kraft in dem Land, wo einst die NSDAP ihre ersten Regierungsbeteiligungen feierte. Kein Zufall. Ein historisches Menetekel.
Doch statt Widerstand herrscht Kapitulation: Alle demokratischen Parteien überbieten sich plötzlich im Nachbeten der AfD-Forderungen. Was jahrelang als „rechtsextrem“ galt, wird über Nacht zur Regierungspolitik. Grenzschließungen mit Gewalt, „Bett, Brot, Seife“ für Geflüchtete, die Rhetorik des völkischen Blocks. Friedrich Merz‘ Dammbruch wird zur Schmutzlawine, die über Europa hinwegrollt.
Aber was, wenn das System längst kaputt ist? Wenn nicht nur Politiker, sondern auch Künstler, Comedians, Popstars ihre Masken fallen lassen? Luke Mockridge verhöhnt Menschen mit Behinderung in einem Podcast. Taylor Swift endorset Kamala Harris und wird zur Zielscheibe rechter Hassmobs. Die alte Frage brennt wieder: Können wir Kunst von Künstlern trennen? Oder leben wir bereits in einer Welt, wo jeder Tweet ein Tribunal auslöst?
Patrick und Jens tauchen tief in das Herzstück unserer Kulturkämpfe: Ist Trennung von Werk und Moral noch möglich? Wie funktioniert Cancel Culture wirklich – und wer entscheidet über gesellschaftliche Ächtung? Von Kant bis Mockridge, von Swift bis zum Toleranzparadoxon: Eine Grundsatzanalyse der Selektionsmechanismen unserer Zeit.
Themen
- Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen: AfD-Erfolge und demokratische Kapitulation
- Trennung von Werk und Autor: Philosophische und praktische Dimensionen
- Luke Mockridge-Skandal: Ableismus und gesellschaftliche Reaktionen
- Taylor Swift und politische Positionierung von Popstars
- Cancel Culture: Mechanismen gesellschaftlicher Ächtung
- Brand Safety und ökonomische Faktoren bei Boykotten
- Toleranzparadoxon: Muss Toleranz Intoleranz tolerieren?
- Präsidentschaftsdebatte Harris vs. Trump in den USA
Erwähnte Personen & Organisationen
- Luke Mockridge: Comedian, umstritten nicht nur wegen ableistischen Äußerungen
- Taylor Swift: US-Popstar, unterstützt Kamala Harris politisch
- Immanuel Kant: Philosoph, Beispiel für Trennung von Werk und Person
- Björn Höcke: AfD-Politiker und Rechtsextremist, stärkste Kraft in Thüringen
- Friedrich Merz: CDU-Vorsitzender, Initiator der Migrationsdebatte
- Sahra Wagenknecht: Gründerin des BSW, neue populistische Kraft
- Kamala Harris: US-Vizepräsidentin und Präsidentschaftskandidatin
- Donald Trump: Ehemaliger US-Präsident und Präsidentschaftskandidat
- Viktor Orbán: Ungarischer Ministerpräsident, Trump-Unterstützer
- Bodo Ramelow: Linke-Politiker, bisheriger Ministerpräsident Thüringens
- Michael Kretschmer: CDU-Ministerpräsident Sachsens
- Katina Schubert: Bundesgeschäftsführerin Die Linke
Begriffe
- Cancel Culture: Gesellschaftliche Ächtung problematischer Äußerungen oder Personen
- Brand Safety: Unternehmerische Strategie zur Vermeidung problematischer Werbeplatzierungen
- Toleranzparadoxon: Philosophisches Problem formuliert von Karl Popper: Muss Toleranz auch Intoleranz tolerieren?
- Universalismus: Philosophische Position der Gleichwertigkeit aller Menschen
- Remigration: Mittlerweile rechtsextreme Bezeichnung für Massenabschiebungen
- Kartellparteien: AfD-Begriff für etablierte demokratische Parteien
- Childless Cat Lady: Frauenfeindlicher Slur der amerikanischen Rechten
- Deplatforming: Entfernung von Personen oder Inhalten von Plattformen
Weiterführende Quellen
- Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
- Karl Popper: Das Toleranzparadoxon
- Landtagswahl Thüringen 2024 – Wikipedia
- Landtagswahl Sachsen 2024 – Wikipedia
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Gerade bei Filmen, Serien und Videospielen ist es problematisch zu sagen, weil einer der beteiligten Personen – sei es Hauptdarsteller*in, Regisseur*in oder auch Autor*in – selbst eben extremst problematisch war (um es diplomatisch auszudrücken), sollte dieses Produkt nicht mehr konsumiert oder vertrieben werden. Denn damit wird auch all den anderen, die an diesem Produkt beteiligt waren und eben keine Arschlöcher oder was auch immer sind, gesagt, dass ihre Arbeit eben auch in die Vergessenheit verbannt gehört, weil eben so eine Person daran mitgewirkt hat. Natürlich wird dies komplizierter, wenn diese „problematisch“ Person noch lebt und Geld damit verdienen kann, dass dieses Produkt weiterhin vertrieben wird. Da bin ich auch der Meinung, man sollte dies boykottieren. Aber wenn diese Person längst verstorben ist, sehe ich da weniger ein Problem.
Danke für deine Perspektive zu dem Thema. Wichtig war uns ja, dass jeder sich dahingehend seine Gedanken entwickelt und es nicht einfach „egal“ ist.