Populismus essen Denken auf
29,9 Prozent für die AfD, 30,9 für die SPD: Brandenburg war knapp, doch das ist ein Pyrrhussieg der Demokratie. Während Patrick und Jens die Nachwahlanalysen durchforsten, wird eines brutal deutlich: Populismus hat gewonnen – nicht nur bei AfD und BSW, sondern quer durch alle Parteien. 79.000 Nichtwähler mobilisierte die AfD, das BSW sammelte 41.000 ein. Gleichzeitig zeigen Recherchen von Daniel Schulz und Jan Böhmermann eine erschreckende Realität: Rechtsextreme haben Brandenburg längst durchsetzt. Lokale Medien sind unterwandert, Menschen schweigen aus Angst, Kubotans werden als Wahlgeschenke verteilt.
Doch das eigentliche Problem sitzt tiefer: eine politische Kultur, die nur noch in populistischen Kategorien denkt. Vereinfachung statt Komplexität, Emotionalisierung statt sachliche Analyse, Spaltung statt Kompromiss. Sarah Wagenknecht verkörpert diesen Mechanismus perfekt – von der Stalin-Apologetin zur BSW-Gründerin, immer gegen alles, nie für etwas. Ihre Partei sammelt Unzufriedenheit, bietet aber keine Lösungen.
Das Perfide: Diese populistische Vergiftung des Diskurses macht alle demokratischen Parteien schwächer. Patrick und Jens analysieren, wie Aufmerksamkeitsökonomie und Horse-Race-Journalismus den Populismus befeuern – und warum „Schweigen“ längst zur „Zustimmung“ geworden ist.
Themen
- Landtagswahl Brandenburg 2024: Analyse und Nachwahlbetrachtung
- Populismus als demokratiezerstörende Kraft
- Rechtsextreme Durchsetzung der Zivilgesellschaft in Brandenburg
- Sarah Wagenknecht und das BSW: Personenkult statt Politik
- Medienunterwanderung durch rechtsextreme Kräfte
- Rolle der Aufmerksamkeitsökonomie bei der Stärkung populistischer Bewegungen
- Russische Desinformationskampagnen und hybride Kriegsführung
Erwähnte Personen & Organisationen
- Dietmar Woidke: SPD-Ministerpräsident Brandenburg, gewann knapp gegen AfD
- Sarah Wagenknecht: BSW-Gründerin, ehemalige Linken-Politikerin
- Björn Höcke: AfD-Thüringen, Rechtsextremist
- Hubert Aiwanger: Freie Wähler Bayern, populistische Rhetorik
- Oskar Lafontaine: Ehemann Wagenknechts, politischer Berater
- Gregor Gysi: Ehemaliger PDS/Linke-Vorsitzender
- Jan Böhmermann: Satiriker, deckte Medienunterwanderung auf
- Daniel Schulz: Taz-Redakteur, schrieb über Angstklima in Brandenburg
- Chris: Hörer aus Brandenburg, ehemals Piratenpartei
- Michael Kretschmer: CDU-Ministerpräsident Sachsen
Begriffe
- Populismus: Politischer Stil, der komplexe Probleme vereinfacht und Gesellschaft in „Volk vs. Elite“ spaltet
- Pyrrhussieg: Sieg, der so teuer erkauft ist, dass er einer Niederlage gleichkommt
- Sperrminorität: Ein Drittel der Stimmen im Parlament, mit dem wichtige Entscheidungen blockiert werden können
- Brombeer-Koalition: Rot-Lila-Schwarz (SPD-BSW-CDU) Koalition
- Horse-Race-Journalismus: Medienberichterstattung, die Politik als Wettkampf inszeniert
- Kubotans: Metallstifte zur Selbstverteidigung, von AfD als Wahlgeschenke verteilt
- Frozen Conflicts: Eingefrorene Konflikte, Strategie Russlands in ehemaligen Sowjetrepubliken
- Social Design Agency (SDA): Russische Trollfabrik für Desinformationskampagnen
Weiterführende Quellen
- Daniel Schulz: „Es regiert die Angst“ (taz)
- Jan Böhmermann über Medienunterwanderung (Neo Magazin Royale)
- ARD-Dokumentation „Der Fall Wagenknecht“
- Podcast „Springerstiefel“ über Rechtsextremismus nach der Wende
- Correctiv-Recherche zu russischer Trollfabrik SDA
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Nur um ein wenig dem Recency Bias entgegen zu wirken, hier mal ein Punkt den Christopher Lauer immer wieder betont:
Als die Piratenpartei damals in Berlin mit 10 Leuten ins Abgeordnetenhaus eingezogen ist, stand die Piratenpartei in Österreich in Umfragen bei 10% oder so. Damals gab es de facto quasi keine Piratenpartei in Österreich.
Umso absurder ist es immer wieder dabei zuzusehen wie Journalist*innen Volten schlagen um zu behaupten sie hätten keinen Einfluss auf den politischen Diskurs, sie bilden ja nur ab.