Anno 2025

180 Milliarden Dollar Umsatz – Gaming übertrifft Film und Musik zusammen. In einer Branche, die längst zur größten Medienform der Welt geworden ist, verstecken sich ideologische Botschaften hinter bunten Pixeln und vermeintlich harmlosen Aufbauspielen.

Patrick und Jens tauchen in die schöne neue Welt von Anno 1800 ein: Ein Spiel über Kapitalismus im 19. Jahrhundert, das alles ausblendet, was unbequem ist. Wo sind die Sklaven auf den Kolonialplantagen? Warum sterben Arbeiter nie, obwohl sie drei Liter Schnaps pro Minute konsumieren? Und wieso können Bauern per Mausklick zu Investoren werden, ohne dass jemand fragt, wo die Verlierer dieser Transformation bleiben? Das Spiel erzählt die Geschichte der Industrialisierung als Märchen – ohne Umweltzerstörung, ohne Ausbeutung, ohne die dunklen Seiten des frühen Kapitalismus.

Doch das ist nur die eine Seite der Gaming-Kultur. Während Anno die Realität verschleiert, tobt parallel der Kulturkampf der „Gaming-Taliban“: Wokespotting nennt sich das Phänomen, bei dem reaktionäre Gamer jeden weiblichen Protagonisten als Verschwörung deuten. Patrick und Jens zeigen, wie Diskurse entweder komplett ausgeblendet oder ins Absurde verzerrt werden – und warum das mehr ist als nur Spielerei.


Themen

  • Anno 1800: Kapitalismus als Märchen
  • Gaming-Industrie und gesellschaftlicher Einfluss
  • Verschleierung von Kolonialismus und Sklaverei in Spielen
  • Wachstumsfetisch und unendliche Ressourcen
  • Gamergate und Wokespotting-Phänomen
  • Gentrifizierung im virtuellen Raum
  • Kulturkampf in der Gaming-Community
  • Alkohol als Herrschaftsinstrument (Butty System)
  • Ideologische Mystifikation durch Unterhaltungsmedien

Erwähnte Personen & Organisationen

  • Ubisoft Blue Byte (Mainz): Entwicklerstudio der Anno-Reihe
  • Donald Trump: Ex-US-Präsident, erwähnt im Kontext Grönland-Annexionspläne
  • Franz Beckenbauer: Fußball-Legende, zitiert zu Saudi-Arabien-Aussage
  • Wolfgang M. Schmidt: Filmanalyst auf YouTube
  • Dom Schott: Podcast-Host mit Gaming-Industrie-Einblicken

Begriffe

  • 4X-Spiele: Explore, Expand, Exploit, Exterminate – Strategiespielgenre
  • Butty System: Historisches Ausbeutungssystem im englischen Bergbau mit Zwangskonsum von Alkohol
  • Truck System: Lohnsystem mit fabrikeigenen Läden statt Bargeld
  • Gamergate: Kontroverse ab 2014 um Sexismus und Journalismus in der Gaming-Industrie
  • Wokespotting: Reaktionäres Phänomen, bei dem Diversität in Spielen als Verschwörung gedeutet wird
  • Ludonarrative Dissonanz: Widerspruch zwischen Spielmechanik und erzählter Geschichte
  • Gentrifizierung: Verdrängung ärmerer Bevölkerungsschichten durch Aufwertung

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6 Replies to “Anno 2025”

  1. Ernest Schönberger

    Spiele haben mich immer wieder aufgebaut. Ich fand es interessant, Anderes, Außeralltägliches zu erleben – die Heldengeschichte halt.
    Das Selbstbewusstsein unserer Familie war alles andere als dynastisch.
    Insofern danke für einen anderen Blick auf dieses Kulturgut zwischen Film und Gesellschaftsspiel!

  2. Alex

    Den kurzen Abschweif in den englischen Bergbau fand ich sehr interessant. Vom Butty-Prinzip hatte ich bislang noch nie gehört. Eine Art Trucksystem mit Alkoholabhängigen 🤔
    Eine Folge zu dem Thema (wie Patrick abgeregt hatte) fänd ich klasse. Mehr Analysen von Computerspielen auch ☺️

  3. Mohs

    Es gibt übrigens von Arte die wunderbare Dokureihe „Nicht länger Nichts!“ zur Arbeiterbewegung.

    Ein paar ältere Beispiele von Spielen, die sich kritisch mit diversen Themen beschäftigen wären z.B. Wing Commander 4 (Machthungriger Typ geht über leichen und setzt u.a. Biowaffen ein), Halflife 2 (totalitäres System + massiver Einsatz von Drohnen) oder Mass-Effect (Darstellung unterschiedlicher Zivilisationen, Kulturen usw. „Die Kultur muss immer weiter entwickelt sein, als die Waffen dieser, man darf einem kulturell unterentwickelten z.B. keine Atomwaffen anvertrauen.“)
    Da wird der Vorteil vom Scifi-Szenario genutzt damit man daran problematische Entwicklungen aufzeigen kann.
    Bei The Witcher 3 ist das spannende, dass es praktisch keine moralisch richtige Entscheidung gibt. Alles wozu man sich in dem Spiel entscheidet hat potentiell eine drastische Konsequenz für andere, die man wahrscheinlich so nicht wollte.

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