Iran-Update: Will überhaupt noch jemand Frieden oder einfach nur die Herrschaft?

Ein Angriff, der den Iran zurück in die Steinzeit bomben sollte. Das Ergebnis: 300 Milliarden Dollar Wiederaufbauhilfe, die Aufhebung aller Sanktionen, freier Ölexport  und das iranische Regime darf sein Raketenprogramm behalten. Das Islamabad-Memorandum, unterzeichnet an drei Orten, zu drei Zeitpunkten, mit leeren Zeilen für Datum und Ort, ist kein Friedensvertrag und schon gar kein „Deal“. Es ist das Protokoll eines gescheiterten Machtkalküls mit größtem Schaden für die globale Zivilbevölkerung.

Wer hat diesen Krieg eigentlich gewollt? Trumps Kalkül, ein schneller Sieg sollte die Midterms retten, wie einst 9/11 George W. Bush in die Höhe katapultierte, ist spektakulär falsch aufgegangen. Israel kämpft im Libanon weiter, als hätte es das Memorandum nie gegeben, weil es das Papier schlicht nie unterschrieben hat. Die Hisbollah feuert zurück. Die Straße von Hormuz öffnet und schließt sich im Takt der Eskalation. Und innerhalb der US-Regierung, der israelischen Koalition und des iranischen Regimes toben Machtkämpfe, die das gesamte Konstrukt jederzeit sprengen können.

Patrick und Jens puzzeln zusammen, was hinter dem Islamabad-Memorandum wirklich steckt und warum die eigentliche Rechnung dieses Krieges erst noch kommt. Denn während Rohölpreise schnell sinken, treffen die Folgen für Lebensmittel, Dünger und Konsumgüter Monate später  und dann vor allem jene, die ohnehin kaum noch Spielraum haben. Wer zahlt am Ende für Trumps Friedenstheater in Versailles?

Themen

  • Das Islamabad-Memorandum: Inhalt, Widersprüche und offene Fragen
  • Israels Nicht-Unterzeichnung und die Fortführung des Libanon-Krieges
  • Machtkämpfe in Washington, Tel Aviv und Teheran
  • Trumps gescheitertes politisches Kalkül
  • Verzögerte wirtschaftliche Folgen: Dünger, Lebensmittelpreise, Inflation
  • Szenarien: Wie könnte es weitergehen?
  • Fossilindustrieller Komplex als Kriegsprofiteur

Erwähnte Personen & Organisationen

  • Donald Trump: US-Präsident, Unterzeichner des Memorandums in Versailles
  • JD Vance: US-Vizepräsident, öffentlich kritisch gegenüber israelischen Angriffen im Libanon
  • Marco Rubio: US-Außenminister, hatte zu Kriegsbeginn die Zerstörung iranischer Raketenkapazitäten als Kriegsziel benannt
  • Benjamin Netanjahu: Israelischer Premierminister, dessen Regierung das Memorandum nicht unterzeichnete und die Offensive im Libanon fortsetzt
  • Itamar Ben-Gvir: Israelischer Minister, forderte öffentlich, dass „der ganze Libanon brennen“ müsse
  • Masud Peseschkian: Iranischer Präsident, unterzeichnete das Memorandum separat in Teheran
  • Ben Shapiro: Rechter US-Medienunternehmer, nannte den Deal ein „Desaster“
  • Bill Cassidy: Republikanischer Senator, bezeichnete das Abkommen als „schlimmsten außenpolitischen Fehler seit Jahrzehnten“
  • Chris Murphy: Demokratischer Senator, nannte das Abkommen eine „totale Demütigung“
  • Hisbollah: Libanesische Miliz und politische Partei, Teil des iranischen Proxy-Netzwerks, nicht im Memorandum adressiert
  • Straße von Hormuz: Strategische Meerenge, durch die bis zu 30 % des globalen Düngerhandels und erhebliche Ölmengen transportiert werden
  • FAO: UN-Welternährungsorganisation, warnt vor einer globalen Lebensmittelpreiskrise binnen 6–12 Monaten
  • JCPOA: Früheres Nuklearabkommen mit dem Iran (2015), Vergleichspunkt für aktuelle Verhandlungen

Begriffe

  • Islamabad-Memorandum: 14-Punkte-Rahmenwerk zur Beendigung der Kampfhandlungen zwischen USA und Iran, vermittelt durch Pakistan und Katar; kein fertiger Friedensvertrag, sondern eine Absichtserklärung mit 60-tägiger Verhandlungsphase
  • Memorandum of Understanding (MOU): Rechtlich nicht bindendes Dokument, das eine Einigung über Grundsätze festhält und Vorstufe zu einem verbindlichen Vertrag
  • Straße von Hormuz: Meerenge zwischen Iran und Oman; strategischer Flaschenhals für rund 20 % des weltweiten Ölhandels und bis zu 30 % des globalen Düngerhandels
  • Falken / Neokonservative: Politische Strömungen in den USA, die eine harte, oft militärische Außenpolitik befürworten; kritisieren das Memorandum als Kapitulation
  • Harnstoff-Dünger: Meistgenutzter Pflanzendünger weltweit; wird aus Ammoniak hergestellt, das wiederum Erdgas als Grundstoff benötigt und Verbindungsglied zwischen Gasversorgung und Lebensmittelpreisen
  • Deindustrialisierung: Rückgang industrieller Produktion; hier: als Folge gestiegener Energie- und Rohstoffkosten durch den Krieg, und nicht wie oft behauptet, durch Klimaschutzpolitik
  • Fossilindustrieller Komplex: Verflechtung von Öl- und Gasindustrie, Petrochemie, Automobilwirtschaft und Rüstungssektor mit gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Interessen
  • Nekropolitik: Politikwissenschaftliches Konzept (Achille Mbembe): Herrschaft, die auf der Kontrolle über Tod und Sterben basiert
  • Saving Face: Diplomatischer Begriff für das Wahren des Ansehens trotz Niederlage oder Rückzug
  • Proxy-Armeen: Nicht-staatliche bewaffnete Gruppen, die im Auftrag oder mit Unterstützung eines Staates kämpfen; im Kontext: Hisbollah und Houthis als Teil des iranischen Einflussnetzes

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