KI-Blasen & zweckrationale Fantasie
Sieben Konzerne machen rund ein Drittel des S&P 500 aus. Wer fürs Alter in einen ETF spart, wettet mit auf KI, ob er will oder nicht. Und die Wette wackelt. Nvidia steckt Geld in OpenAI, OpenAI bucht damit Rechenleistung, die Rechenzentren kaufen dafür Chips bei Nvidia: Das Geld dreht sich im Kreis. Ende September stoppt Oracle die Zahlungen für sein 18-Milliarden-Rechenzentrum „Project Jupiter“.
Die nächste Dotcom-Blase? Human Nagafi zählt nicht eine Blase, sondern fünf. Börsenbewertung. Fehlendes Geschäftsmodell. Überkapazität bei Chips und Rechenzentren. Ausbleibende Produktivität. Die fünfte hält er für die spannendste: Kein KI-Anbieter bindet seine Kunden. Wer heute Claude nutzt, wechselt morgen zu OpenAI oder zum Modell auf dem eigenen Rechner. Den Mehrwert streichen dann die Kunden ein, nicht die Investoren. Und wenn es kracht? Dann hängt die Altersvorsorge mit drin, und Jens ahnt, wer am Ende einspringt: der Staat. Gehen die Versprechen dagegen auf, steigt die Produktivität, die Löhne steigen nicht, und niemand kann mehr kaufen, was die Unternehmen herstellen. Patricks Bilanz: Entweder geht alles den Bach runter, oder es funktioniert alles, dann geht alles den Bach runter.
Für Teil 2 ihrer KI-Reihe holen sich Patrick und Jens Human Nagafi dazu, Geschäftsführer von 1789 Innovations, Podcaster bei Corporate Therapy, der in Unternehmen mit KI-Systemen arbeitet. Jens rechnet die Blase vor. Human erzählt aus den Firmen, die Fachleute erst durch KI ersetzen und dann zurückholen, und von Schatten-Excel, weil niemand weiß, wer für ein KI-Ergebnis geradesteht. Am Ende steht eine Frage, die im KI-Rausch untergeht: Wofür ist Wirtschaft eigentlich da?
Themen
- Zirkelgeschäfte: wie Nvidia, OpenAI und die Rechenzentren sich gegenseitig Umsatz verschaffen
- Private Credit und Schattenbanken: wer die Rechenzentren finanziert
- Steigende Risikoaufschläge: Die Blase bekommt Risse
- Fünf Blasen: Börse, Geschäftsmodell, Überkapazität, Produktivität, fehlender Lock-in
- Wer einen Einbruch übersteht: Chiphersteller, Frontier Labs, Hyperscaler
- Die J-Kurve: warum Unternehmen mit KI noch nicht produktiver werden
- Verantwortung für KI-Ergebnisse und Schatten-Excel in der Praxis
- Preiskampf, lokale Modelle und die Zukunft von SAP, Adobe und Co.
- Doomsday-Erzählungen als Geschäftsmodell und Apples Chance auf einen KI-App-Store
- Szenario 1: Die Blase platzt, mit Folgen für Altersvorsorge und Staat
- Szenario 2: Die Produktivität kommt, die Löhne nicht
- Wofür ist Wirtschaft da? Robotersteuer, AGI und Faschismus als Krisenmodus
Erwähnte Personen & Organisationen
- Human Nagafi: Gast, Geschäftsführer von 1789 Innovations, Podcast Corporate Therapy
- Nvidia: Marktführer bei KI-Chips, investiert selbst in seine Kunden
- OpenAI: Entwickler von ChatGPT
- Anthropic: Entwickler von Claude
- Oracle: Softwarekonzern, baut Rechenzentren für KI
- Microsoft: Hyperscaler und langjähriger Partner von OpenAI
- Apple: könnte nach Humans Einschätzung gewinnen, wenn die großen KI-Anbieter fallen
- SAP: Unternehmenssoftware, die Firmen künftig vielleicht selbst bauen
- Adobe: Hersteller von Photoshop, unter Druck durch KI-Werkzeuge
- TSMC: taiwanischer Auftragsfertiger, der die Chips herstellt
- Peter Thiel: Investor, der Monopole zum Ziel erklärt
- Alex Karp: Chef von Palantir, im Einspieler mit Kritik daran, wie KI verkauft wird
- Daron Acemoğlu: MIT-Ökonom, Wirtschaftsnobelpreis 2024, erwartet nur kleine Produktivitätsgewinne durch KI
- Erik Brynjolfsson: Ökonom in Stanford, Mitautor der Studie zur Produktivitäts-J-Kurve
- Jamie Dimon: Chef von JPMorgan Chase, warnt vor Überhitzung an den Märkten
- Goldman Sachs: Investmentbank, fragte schon 2024, ob zu viel Geld in KI fließt
- Isabella M. Weber: Ökonomin, Autorin von „Antifaschistische Wirtschaftspolitik“, Patricks Empfehlung
Begriffe
- Capex: Investitionsausgaben (capital expenditure), hier für Chips, Rechenzentren und Energie
- Zirkelgeschäfte: Firmen beteiligen sich aneinander und kaufen sich gegenseitig Leistungen ab, ein Teil des Umsatzes stammt so aus dem eigenen Geld
- Private Credit: Kredite von Fonds und Vermögensverwaltern statt von Banken, unter schwächerer Aufsicht
- Schattenbank: Finanzinstitut, das Bankgeschäfte betreibt, ohne der Bankenregulierung zu unterliegen
- Risikoaufschlag: zusätzlicher Zins, den Geldgeber für ein höheres Ausfallrisiko verlangen
- Magnificent Seven: Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla
- Hyperscaler: Betreiber riesiger Cloud-Rechenzentren, etwa Amazon, Microsoft und Google
- Frontier Labs: Firmen, die die leistungsfähigsten KI-Modelle entwickeln, etwa OpenAI und Anthropic
- J-Kurve: Neue Technik drückt die gemessene Produktivität zunächst, weil Firmen erst in Umbau und Abläufe investieren; die Gewinne kommen später
- Lock-in-Effekt: Kunden bleiben bei einem Anbieter, weil ein Wechsel teuer oder aufwendig wäre
- Grenzkosten: Kosten jeder zusätzlichen Einheit; bei Software fast null, bei KI kostet jede Anfrage Rechenleistung
- Lender of last resort: Kreditgeber der letzten Instanz, meist Zentralbank oder Staat, der einspringt, wenn sonst niemand mehr Geld gibt
- AGI: Artificial General Intelligence, eine bisher hypothetische KI, die jede geistige Aufgabe eines Menschen beherrscht
- Robotersteuer: Abgabe auf Maschinen, die menschliche Arbeit ersetzen
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